Stillen und Fläschchen kombinieren: So klappt Teilstillen, ohne dass die Milch weniger wird

Ihr Partner möchte auch mal füttern, der Job ruft wieder oder Ihr Baby braucht nach Ansicht der Hebamme etwas mehr Milch. Gleichzeitig haben Sie Sorge, dass die Milch weniger wird oder Ihr Baby die Brust nicht mehr nimmt. Stillen und Fläschchen kombinieren geht, wenn Sie wissen, worauf es ankommt. Hier finden Sie die drei gängigen Modelle im Vergleich, einen Startplan und die Regeln, mit denen Ihre Milchbildung stabil bleibt.

Kurz gesagt: Stillen und Fläschchen kombinieren

Ja, Stillen und Fläschchen lassen sich gut kombinieren. Das heißt Zwiemilchernährung oder Teilstillen. Wichtig: Legen Sie Ihr Baby zuerst an und geben Sie danach die Flasche. Führen Sie Fläschchen schrittweise ein, am besten wenn das Stillen gut eingespielt ist, und stillen oder pumpen Sie regelmäßig, damit die Milchbildung erhalten bleibt.

  • Erst die Brust, dann die Flasche: so empfiehlt es das BIÖG.
  • Eine Flaschenmahlzeit nach der anderen einführen.
  • Häufiges Anlegen oder Abpumpen hält die Milchmenge stabil.
  • Vor dem Zufüttern wegen „zu wenig Milch“: erst Hebamme oder Stillberatung fragen.

Zufüttern, ersetzen oder abpumpen? Die drei Modelle

„Kombinieren“ meint nicht immer dasselbe. Welches Modell zu Ihnen passt, hängt vom Grund ab:

ModellPasst, wenn …Darauf achten
Zufüttern nach dem StillenIhr Baby laut Hebamme oder Kinderarzt mehr Milch brauchtImmer zuerst anlegen, Menge mit der Hebamme absprechen
Eine Mahlzeit ersetzenPartner füttert mit, Sie brauchen feste FreiräumeNur eine Mahlzeit auf einmal, Brust bei Spannung entlasten
Abgepumpte MuttermilchSie möchten weiter nur Muttermilch geben, sind aber nicht immer daRegelmäßig pumpen, Milch hygienisch lagern

Erst prüfen: Ist Zufüttern wirklich nötig?

Viele Mütter füttern zu, weil das Baby ständig an die Brust will. Das BIÖG weist darauf hin, dass echter Milchmangel selten ist. Häufiger wirkt ein Baby unzufrieden, weil der Milchspendereflex langsam einsetzt, es Wachstumsphasen hat oder gestresst ist. Ein Baby gilt als gut versorgt, wenn es zufrieden und lebhaft ist, oft trinkt und sechs bis acht nasse Windeln in 24 Stunden hat. In den ersten Wochen helfen 8 bis 12 Stillmahlzeiten pro Tag, die Milchbildung aufzubauen. Bevor Sie Pre-Nahrung kaufen, lohnt sich ein Gespräch mit Ihrer Hebamme. Mehr dazu in unserem Ratgeber Baby Trinkmenge.

So führen Sie das Fläschchen ein: der Startplan

  1. Stillen einspielen lassen: Wenn möglich, warten Sie, bis das Anlegen gut klappt. Bei vielen ist das nach einigen Wochen der Fall.
  2. Eine Mahlzeit wählen: Nehmen Sie eine Zeit, zu der Sie die Flasche später auch wirklich brauchen, zum Beispiel am Abend, wenn Ihr Partner füttert.
  3. Ruhigen Moment nutzen: Bieten Sie die Flasche an, wenn Ihr Baby wach und nur leicht hungrig ist. Oft klappt es besser, wenn eine andere Person sie gibt.
  4. Langsam trinken lassen: Flasche eher flach halten, Ihr Baby den Sauger selbst fassen lassen und kleine Pausen machen. So trinkt es ähnlich mühsam wie an der Brust und bevorzugt die Flasche nicht.
  5. Brust entlasten: Ersetzt die Flasche eine Stillmahlzeit und spannt die Brust, streichen Sie etwas Milch aus oder pumpen Sie ab.
  6. Weitere Mahlzeiten erst nach einigen Tagen: So kann sich Ihre Milchbildung anpassen.

Milchmenge erhalten: die 4 Regeln

  • Nachfrage bestimmt das Angebot: Jede Flasche ohne Anlegen oder Abpumpen signalisiert Ihrem Körper, weniger Milch zu bilden.
  • Stillmahlzeiten nicht hinauszögern: Lange Pausen begünstigen Milchstau.
  • Körperkontakt: Hautkontakt und Kuscheln an der Brust fördern die Milchbildung.
  • Alternative Zufütterung: Kleine Mengen lassen sich auch mit Becher, Löffel oder einem Brusternährungsset geben, bei dem Ihr Baby an der Brust trinkt. Ihre Hebamme zeigt Ihnen, wie es geht.

Muttermilch oder Pre in die Flasche?

Beides geht. Abgepumpte Muttermilch erhält die Vorteile des Stillens. Wenn Sie Säuglingsmilch nehmen, ist Pre-Nahrung die erste Wahl, sie kann das ganze erste Jahr gegeben werden. Bereiten Sie jede Flasche frisch zu und rühren Sie das Pulver mit höchstens 40 °C warmem Wasser an. Muttermilch und Pre mischen Sie besser nicht in einer Flasche: Bleibt etwas übrig, müssen Sie sonst auch die wertvolle Muttermilch wegschütten.

Lesen Sie auch: Fläschchen richtig geben.

Wann zum Kinderarzt?

  • Ihr Baby nimmt nicht gut zu oder hat weniger als sechs nasse Windeln am Tag.
  • Es trinkt auffällig wenig und kraftlos, an der Brust wie an der Flasche.
  • Es verweigert über mehrere Mahlzeiten Brust oder Flasche.
  • Sie haben eine harte, gerötete, schmerzende Stelle in der Brust, Fieber oder Grippegefühl: ärztlich abklären lassen.
  • Bei akuter Atemnot oder Bewusstseinsstörung Ihres Babys sofort 112, außerhalb der Sprechzeiten 116 117.

Häufige Fragen

Bekommt mein Baby eine Saugverwirrung?

Manche Babys wechseln problemlos, andere tun sich schwerer, weil die Flasche leichter läuft. Wer mit dem Fläschchen wartet, bis das Stillen gut klappt, und langsam füttert, senkt das Risiko. Bei Zufütterung in den ersten Tagen sind Becher oder Löffel eine Alternative.

Kann ich tagsüber die Flasche geben und nachts stillen?

Ja, das ist ein sehr häufiges Modell. Ihre Brust stellt sich mit der Zeit darauf ein. Spannt die Brust tagsüber, entlasten Sie sie durch kurzes Ausstreichen oder Abpumpen.

Wie viel Pre muss ich beim Teilstillen zufüttern?

Das hängt vom Alter und von der Zahl der Stillmahlzeiten ab, eine feste Formel gibt es nicht. Orientieren Sie sich an den Hunger- und Sättigungszeichen Ihres Babys, an den nassen Windeln und an der Gewichtskurve im gelben Heft. Die Mengenangaben auf der Packung gelten für nicht gestillte Babys.

Ist Teilstillen besser als gar nicht stillen?

Jede Menge Muttermilch hat Wert für Ihr Baby, und auch die Nähe beim Anlegen bleibt. Ob und wie lange Sie teilstillen, entscheiden Sie. Hilfe bei der Planung bekommen Sie bei Ihrer Hebamme oder einer Stillberatung.

Hilfreich zum Weiterlesen: Baby richtig anlegen, Stillen Mythen im Faktencheck und alles Weitere im Ratgeber Ernährung. Wann Ihr Baby an der Brust und wann aus der Flasche getrunken hat, notieren Sie am einfachsten im Trink- und Windelprotokoll bei unseren kostenlosen Checklisten.

Quellen

  • kindergesundheit-info.de (BIÖG): Säuglingsmilch für die Flasche (Teilstillen: erst Brust, dann Flasche)
  • kindergesundheit-info.de (BIÖG): Probleme beim Stillen (Milchmenge, Stillhäufigkeit)
  • kindergesundheit-info.de (BIÖG): Gewichtsentwicklung des Babys (nasse Windeln)
  • Netzwerk Gesund ins Leben: Basiswissen Stillen
  • Netzwerk Gesund ins Leben: Zubereitung der Säuglingsmilchnahrung

Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Stillberatung. Bei Fragen zur Milchmenge, zur Gewichtszunahme oder zum Zufüttern wenden Sie sich an Ihre Hebamme, eine Stillberaterin oder Ihre Kinderarztpraxis.