Die Schwiegermutter sagt, Kohl macht dem Baby Bauchweh. Die Freundin meint, Sie hätten zu wenig Milch, weil die Brust so weich ist. Und im Internet steht wieder etwas anderes. Viele Stillen Mythen halten sich hartnäckig, und manche verunsichern so sehr, dass Mütter früher abstillen, als sie wollten. Hier finden Sie die 12 häufigsten Irrtümer im Faktencheck, mit dem, was deutsche Fachstellen wirklich empfehlen.
Kurz gesagt: die größten Stillen Mythen
Stillen darf am Anfang ungewohnt sein, aber anhaltende Schmerzen sind kein Normalzustand, sondern meist ein Hinweis auf die Anlegetechnik. Die Brustgröße entscheidet nicht über die Milchmenge, häufiges Stillen ist bei Neugeborenen normal, und auf bestimmte Lebensmittel müssen Sie nicht vorsorglich verzichten. Bei Alkohol dagegen ist die Empfehlung in Deutschland klar: verzichten.
- „Stillen tut eben weh.“ Falsch: Schmerzen deuten fast immer auf Position oder Anlegen hin.
- „Kleine Brüste, wenig Milch.“ Falsch: Die Größe sagt nichts über die Milchmenge.
- „Stillende müssen auf Kohl und Zwiebeln verzichten.“ Falsch: Eine abwechslungsreiche Ernährung ist ausdrücklich erwünscht.
- „Ein Glas Wein ist schon okay.“ Hier rät die Bundeszentrale (BIÖG) klar: auf Alkohol verzichten.
Stillen Mythen im Überblick: Mythos und Fakt
| Mythos | Fakt |
|---|---|
| Stillen tut eben weh. | Schmerzen sind ein Hinweis auf Position oder Anlegen. |
| Brustwarzen vorher abhärten. | Nicht nötig, eher reizend. |
| Flachwarzen verhindern das Stillen. | Mit Unterstützung klappt es oft gut. |
| Am Anfang ist zu wenig Milch da. | Kolostrum passt zum kleinen Magen. |
| Häufiges Stillen heißt zu wenig Milch. | 8 bis 12 Mahlzeiten am Tag sind normal. |
| Weiche Brüste, keine Milch. | Die Milchbildung hat sich eingespielt. |
| Abpumpmenge zeigt die Milchmenge. | Babys trinken effektiver als Pumpen. |
| Kohl und Zwiebeln sind tabu. | Abwechslungsreich essen ist erwünscht. |
| Ein Glas Wein ist okay. | Empfehlung in Deutschland: verzichten. |
| Kaffee ist verboten. | In kleinen Mengen in Ordnung. |
| Stillende brauchen nichts extra. | Jod ist wichtig, nach Rücksprache als Tablette. |
| Stillen schützt sicher vor Schwangerschaft. | Nur unter strengen Bedingungen, besser zusätzlich verhüten. |
Mythen über Schmerzen und Anlegen
Mythos 1: Wunde Brustwarzen gehören einfach dazu
Ein Ziehen in den ersten Tagen ist häufig. Schmerzen während des ganzen Stillens oder wunde, rissige Brustwarzen sind aber ein Zeichen, dass Ihr Baby die Brustwarze beim Saugen verletzt. Meist liegt das an Stillposition oder Anlegetechnik. Wird das Anlegen verbessert, lassen die Schmerzen in der Regel rasch nach. Wie das geht, zeigt unser Ratgeber Baby richtig anlegen.
Mythos 2: Die Brustwarzen muss man vor der Geburt abhärten
Nein. Rubbeln oder Bürsten bringt nichts und kann die Haut eher reizen. Viel wichtiger ist, dass Ihnen Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin gleich am Anfang zeigt, wie Ihr Baby gut an die Brust kommt.
Mythos 3: Mit Flach- oder Hohlwarzen kann man nicht stillen
Babys trinken an der Brust, nicht nur an der Warze. Viele Frauen mit flachen Brustwarzen stillen gut, oft mit etwas Unterstützung durch die Hebamme am Anfang.
Mythen über die Milchmenge
Mythos 4: In den ersten Tagen ist zu wenig Milch da
Die Vormilch (Kolostrum) kommt nur in kleinen Mengen, und genau das passt zum winzigen Magen eines Neugeborenen. Häufiges Anlegen bringt die Milchbildung in Gang.
Mythos 5: Häufiges Stillen heißt, die Milch reicht nicht
Neugeborene trinken oft, häufig 8 bis 12 Mal in 24 Stunden, manchmal in kurzen Abständen hintereinander. Das ist normal. Dass eine Mutter tatsächlich zu wenig Milch hat, ist laut BIÖG eher selten. Häufiger klappt das Anlegen noch nicht gut oder Ihr Baby ist abgelenkt.
Mythos 6: Weiche Brüste bedeuten, die Milch geht zurück
Nach den ersten Wochen fühlen sich viele Brüste weicher an, weil sich die Milchbildung auf Ihr Baby eingestellt hat. Ob es genug bekommt, erkennen Sie besser an nassen Windeln und an der Gewichtszunahme. Richtwerte finden Sie unter Baby Trinkmenge.
Mythos 7: Was ich abpumpe, zeigt meine Milchmenge
Babys holen die Milch meist viel besser aus der Brust als eine Pumpe. Eine kleine Menge beim Abpumpen sagt deshalb wenig darüber aus, wie viel Ihr Baby beim Stillen trinkt.
Mythen über Ernährung und Alltag
Mythos 8: Kohl, Zwiebeln und Scharfes sind tabu
Sie müssen nicht vorsorglich auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Empfohlen ist eine abwechslungsreiche Kost mit Gemüse, Obst, Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Fisch. Wenn Ihnen nach einem bestimmten Essen immer wieder ein klarer Zusammenhang mit Beschwerden Ihres Babys auffällt, können Sie es testweise weglassen. Mehr zu Bauchweh lesen Sie unter Baby Blähungen.
Mythos 9: Ein Glas Alkohol ist kein Problem
Alkohol geht in die Muttermilch über. Die Bundeszentrale (BIÖG) empfiehlt Stillenden deshalb klar, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Auch „Abpumpen und Wegschütten“ beschleunigt den Abbau nicht.
Mythos 10: Kaffee ist in der Stillzeit verboten
Nicht verboten, aber in Maßen: Kaffee, schwarzer Tee und Cola nur in kleinen Mengen, und auch an Energy-Drinks und Eistee mit Koffein denken. Viel trinken ist dagegen wichtig, zum Beispiel ein Glas Wasser bei jedem Stillen.
Mythos 11: Stillende brauchen nichts zusätzlich
Ein Punkt wird oft vergessen: In der Stillzeit ist der Jodbedarf erhöht. Neben Jodsalz und Seefisch, am besten zweimal pro Woche, wird Stillenden nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt eine Jodtablette mit 100 Mikrogramm täglich empfohlen. Große Raubfische wie Thunfisch oder Schwertfisch sollten nicht bevorzugt auf dem Teller landen.
Mythen über Flasche, Krankheit und Verhütung
Mythos 12: Wer stillt, kann nicht schwanger werden
Nur unter strengen Bedingungen ist der Schutz hoch: Ihr Baby ist jünger als 6 Monate, Sie stillen voll, mindestens sechsmal in 24 Stunden, ohne Abpumpen und ohne Zufüttern, mit nicht zu langen Pausen, und Sie hatten noch keine Monatsblutung. Sicherheitshalber empfiehlt die BIÖG trotzdem eine zusätzliche Verhütung. Lassen Sie sich dazu in der Frauenarztpraxis beraten.
Auch diese Irrtümer hören Sie oft: Bei einer Brustentzündung müssen Sie nicht abstillen, häufiges Anlegen auf der betroffenen Seite gehört sogar zur Behandlung. Und viele Medikamente sind mit dem Stillen vereinbar. Fragen Sie vor der Einnahme in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke nach, statt vorsorglich abzustillen. In den ersten Wochen, bis das Stillen gut eingespielt ist, raten Hebammen meist, mit Flasche und Sauger zurückhaltend zu sein.
Wie lange stillen? Die Empfehlung in Deutschland
In Deutschland wird empfohlen, im ersten Lebenshalbjahr zu stillen, mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich. Beikost kommt zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Monats dazu, je nach Beikostreifezeichen Ihres Babys. Danach können Sie weiterstillen, so lange Sie und Ihr Kind möchten. Jeder Tropfen Muttermilch zählt, Stillen ist kein Alles-oder-nichts.
Lesen Sie auch: Stillen und Fläschchen kombinieren.
Wann zum Kinderarzt?
Holen Sie sich Hilfe bei Ihrer Hebamme, einer Stillberaterin oder in der Arztpraxis, wenn:
- das Stillen nach der ersten Woche noch schmerzt oder die Brustwarzen wund bleiben,
- Sie eine rote, harte, schmerzhafte Stelle in der Brust haben, dazu Fieber oder ein Grippegefühl (mögliche Brustentzündung),
- Ihr Baby ab dem 5. Tag deutlich weniger als 5 bis 6 nasse Windeln am Tag hat oder nicht gut zunimmt,
- Ihr Baby sehr schläfrig ist und kaum trinkt: Dann rufen Sie noch am selben Tag die Kinderarztpraxis an, nachts den Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall die 112,
- Sie sich niedergeschlagen oder überfordert fühlen oder unsicher sind, ob Sie weiterstillen möchten.
Häufige Fragen
Welche Stillen Mythen hört man in Deutschland besonders oft?
Sehr verbreitet sind der Verzicht auf blähende Lebensmittel, die Angst vor zu wenig Milch und die Annahme, dass Stillen eben wehtun muss. Alle drei halten einem Faktencheck nicht stand.
Darf ich bei einer Erkältung weiterstillen?
In der Regel ja. Bei einer gewöhnlichen Erkältung müssen Sie nicht abstillen. Fragen Sie bei Medikamenten in der Praxis oder Apotheke nach, welches mit dem Stillen vereinbar ist.
Macht Stillen die Brüste schlaff?
Veränderungen der Brust hängen vor allem mit der Schwangerschaft selbst, dem Alter und der Veranlagung zusammen. Stillen ist kein Grund, darauf zu verzichten.
Wo bekomme ich Stillberatung?
Im Wochenbett hilft Ihre Hebamme, später auch Stillberaterinnen mit IBCLC-Abschluss sowie ehrenamtliche Stillgruppen wie die La Leche Liga oder die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen. Viele Kliniken bieten Stillsprechstunden an.
Mehr rund um Stillen, Fläschchen und Beikost finden Sie im Ratgeber Ernährung. Zum Mitschreiben von Mahlzeiten und Windeln gibt es ein Trink- und Windelprotokoll bei unseren kostenlosen Checklisten.
Quellen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Ernährung der Mutter in der Stillzeit (Verzicht auf Alkohol, Koffein nur in kleinen Mengen, Jod 100 µg, Seefisch)
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Stillprobleme (wunde Brustwarzen, Milchstau, Brustentzündung, zu wenig Milch)
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Empfängnisverhütung in der Stillzeit
- Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen zur Säuglingsernährung (Stillen und Beikoststart)
Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zum Stillen wenden Sie sich an Ihre Hebamme, eine Stillberaterin oder Ihre Arztpraxis.
