Sicherer Babyschlaf: So senken Sie das Risiko für plötzlichen Kindstod

Fast alle Eltern kennen das: Man schaut nachts immer wieder ins Babybett, nur um zu sehen, ob sich der kleine Brustkorb hebt und senkt. Der plötzliche Kindstod ist in Deutschland selten geworden, die Sorge davor ist trotzdem verständlich. Die gute Nachricht: Mit wenigen, einfachen Regeln für sicheren Babyschlaf können Sie das Risiko deutlich senken. Hier finden Sie alles Wichtige auf einen Blick, nach den Empfehlungen deutscher Kinderärzte und Gesundheitsbehörden.

Kurz gesagt: Die wichtigsten Regeln für sicheren Babyschlaf

Sicherer Babyschlaf bedeutet: Ihr Baby schläft im ersten Lebensjahr in Rückenlage, im eigenen Bett in Ihrem Schlafzimmer, in einem passenden Babyschlafsack auf einer festen Matratze ohne Kissen, Nestchen oder Decke. Das Zimmer ist etwa 16 bis 18 °C warm und rauchfrei. Stillen und ein Schnuller zum Einschlafen senken das Risiko zusätzlich.

  • Rückenlage: Legen Sie Ihr Baby vom ersten Tag an zum Schlafen immer auf den Rücken, auch tagsüber.
  • Eigenes Bett im Elternschlafzimmer: Im ersten Lebensjahr schläft Ihr Baby am sichersten im eigenen Bettchen in Ihrem Schlafzimmer.
  • Babyschlafsack statt Decke: kein Kopfkissen, kein Nestchen, keine dicke Decke und eine feste Matratze.
  • Nicht zu warm: etwa 16 bis 18 °C Raumtemperatur. Fühlen Sie im Nacken, ob Ihr Baby schwitzt.
  • Rauchfreie Umgebung: in der Schwangerschaft und nach der Geburt, in der Wohnung und im Auto.
  • Stillen, wenn es möglich ist, und ein Schnuller zum Einschlafen, sobald das Stillen gut klappt.

Was ist der plötzliche Kindstod?

Vom plötzlichen Kindstod, auch plötzlicher Säuglingstod genannt, spricht man, wenn ein Baby im ersten Lebensjahr unerwartet im Schlaf stirbt und sich auch nach gründlicher Untersuchung keine Ursache findet. Warum das passiert, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt sind aber Faktoren, die das Risiko erhöhen oder senken. Darauf beruhen die Empfehlungen für sicheren Babyschlaf, und seit sie in Deutschland breit bekannt sind, ist die Zahl der Fälle stark zurückgegangen.

Rückenlage: die wichtigste Regel

Die Rückenlage gilt als wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung. Legen Sie Ihr Baby zu jedem Schlaf auf den Rücken, nachts ebenso wie beim Mittagsschlaf. Die Bauchlage ist zum Schlafen nicht geeignet, und auch von der Seitenlage wird abgeraten, weil Babys daraus leicht auf den Bauch rollen.

Viele Eltern fürchten, ihr Baby könnte sich in Rückenlage verschlucken, wenn es spuckt. Gesunde Babys haben Schutzreflexe, die ihre Atemwege freihalten. Wenn Ihr Kind wach ist und Sie dabei sind, darf es dagegen gern auf dem Bauch liegen: Das stärkt die Muskulatur und beugt einem abgeflachten Hinterkopf vor.

So sieht ein sicheres Babybett aus

  • Eine feste Matratze, in die Ihr Baby nicht einsinkt, mit einem gut sitzenden Spannbetttuch.
  • Kein Kopfkissen, kein Nestchen, keine dicke oder lose Decke und nur wenige, kleine Kuscheltiere, die Ihr Baby nicht bedecken können.
  • Ein Babyschlafsack in passender Größe: nicht zu groß und mit einer Halsöffnung, die nicht größer ist als der Kopfumfang, damit Ihr Baby nicht hineinrutscht.
  • Ist es kühl, ziehen Sie Ihrem Baby lieber etwas Wärmeres unter den Schlafsack, zum Beispiel Socken oder einen Pulli, statt eine zusätzliche Decke zu verwenden.
  • Babywippe, Autositz oder Tragetuch sind kein Ersatz für das Bett. Schläft Ihr Baby darin ein, legen Sie es, wenn möglich, in sein Bettchen.

Raumtemperatur: Wie warm darf es im Schlafzimmer sein?

Überwärmung gilt als Risikofaktor. Empfohlen wird eine Schlafzimmertemperatur von etwa 16 bis 18 °C, auch im Winter. Ob Ihrem Baby zu warm ist, erkennen Sie nicht an den Händen, die oft kühl sind, sondern im Nacken oder zwischen den Schulterblättern: Die Haut sollte warm und trocken sein, nicht verschwitzt. Im Bett braucht Ihr Baby keine Mütze. Bleibt das Zimmer im Sommer wärmer, wählen Sie einen dünneren Schlafsack und leichte Kleidung.

Sicherer Babyschlaf im Elternbett: Was Sie wissen sollten

Am sichersten schläft Ihr Baby im eigenen Bett in Ihrem Schlafzimmer. So hören Sie es und sind schnell bei ihm. Das gemeinsame Schlafen im Elternbett erhöht nach deutschen Empfehlungen das Risiko, besonders bei sehr jungen Babys. Wenn Sie Ihr Baby nachts zum Stillen zu sich holen, legen Sie es danach möglichst wieder in sein Bettchen. Ob ein Beistellbett für Ihre Familie passt, können Sie mit Ihrer Hebamme besprechen.

Besonders gefährlich ist das gemeinsame Schlafen:

  • auf dem Sofa oder im Sessel: Schlafen Sie hier nie mit Ihrem Baby ein
  • wenn Sie oder Ihr Partner rauchen
  • nach Alkohol, Drogen oder Medikamenten, die müde machen
  • wenn Sie sehr erschöpft sind
  • bei Frühgeborenen und Babys mit niedrigem Geburtsgewicht

Stillen, Schnuller und rauchfreie Umgebung

Stillen senkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Empfohlen wird, wenn möglich, etwa sechs Monate voll zu stillen; aber auch jedes Stillen über die ersten zwei Monate hinaus wirkt sich günstig aus. Ein Schnuller zum Einschlafen scheint ebenfalls zu schützen. Bieten Sie ihn an, wenn das Stillen gut eingespielt ist, und drängen Sie Ihr Baby nicht, wenn es ihn nicht möchte.

Rauchen ist nach der Bauchlage einer der größten Risikofaktoren. Halten Sie die Umgebung Ihres Babys rauchfrei, in der Wohnung ebenso wie im Auto. Bitten Sie auch Großeltern, Babysitter und Tageseltern, diese Regeln zu kennen und einzuhalten.

Checkliste: 6 Fragen vor jedem Schlafen

Gehen Sie diese Fragen kurz durch, bevor Sie Ihr Baby hinlegen, tagsüber genauso wie nachts:

  1. Liegt mein Baby auf dem Rücken?
  2. Ist das Bett leer: kein Kissen, kein Nestchen, keine lose Decke?
  3. Passt der Schlafsack, und ist die Halsöffnung nicht größer als der Kopf?
  4. Fühlt sich der Nacken warm und trocken an, nicht verschwitzt?
  5. Ist das Zimmer rauchfrei und etwa 16 bis 18 °C warm?
  6. Steht das Bett in unserem Schlafzimmer, und kennt jeder, der heute aufpasst, diese Regeln?

Wenn sich Ihr Baby selbst dreht

Legen Sie Ihr Baby weiterhin auf den Rücken. Sobald es sich sicher selbst vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück drehen kann, müssen Sie es nachts nicht zurückdrehen. Wichtig bleibt, dass im Bett nichts liegt, an das es sein Gesicht drücken kann. Wenn Sie Ihr Baby pucken, hören Sie damit auf, sobald es erste Versuche macht, sich zu drehen. Mehr zu den Entwicklungsschritten im ersten Jahr lesen Sie in unserem Ratgeber Entwicklung, weitere Schlafthemen im Ratgeber Babyschlaf.

Wann zum Kinderarzt?

  • Ihr Baby atmet nicht, wird blau oder grau oder ist ganz schlaff: Rufen Sie sofort den Notruf 112.
  • Ihr Baby atmet sehr laut oder angestrengt oder macht auffällig lange Atempausen.
  • Ihr Baby wurde zu früh geboren oder hat eine Erkrankung, und Sie möchten wissen, wie die Schlafumgebung für Ihr Kind am sichersten ist.
  • Nachts und am Wochenende erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Ein Erste-Hilfe-Kurs am Säugling gibt vielen Eltern zusätzliche Sicherheit.

Häufige Fragen

Gehört ein Nestchen ins Babybett?

Nein. Nestchen, Bettumrandungen und Kopfkissen gehören nicht ins Babybett, weil Ihr Baby mit dem Gesicht daran geraten kann. Ein leeres Bett mit fester Matratze und Schlafsack ist die sicherste Lösung.

Wie lange sollte mein Baby im Elternschlafzimmer schlafen?

Deutsche Empfehlungen raten, Ihr Baby im gesamten ersten Lebensjahr im eigenen Bett in Ihrem Schlafzimmer schlafen zu lassen.

Schützen Atemmonitore vor dem plötzlichen Kindstod?

Bei gesunden Babys ersetzt kein Gerät die Regeln für sicheren Schlaf. Ob ein Monitor für Ihr Kind medizinisch sinnvoll ist, zum Beispiel nach einer Frühgeburt, besprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis.

Welcher Babyschlafsack ist der richtige?

Einer, der zur Größe Ihres Babys passt: nicht zu lang, mit einer Halsöffnung, die nicht größer ist als der Kopf. Wie dick er sein sollte, hängt von der Temperatur im Schlafzimmer ab.

Ab wann sinkt das Risiko?

Die meisten Fälle treten in den ersten sechs Lebensmonaten auf. Die Regeln für sicheren Babyschlaf gelten trotzdem für das gesamte erste Lebensjahr.

Diese Checkliste gibt es auch zum Ausdrucken: Laden Sie unsere Checkliste für sicheren Babyschlaf kostenlos herunter und hängen Sie sie neben das Babybett.

Quellen

  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Sicherer und gesunder Babyschlaf (Kampagne mit der Stiftung Kindergesundheit, Kinderärzten und Hebammen)
  • Senatsverwaltung für Gesundheit Berlin: Flyer „Sicherer Babyschlaf“
  • AWMF-Register: S1-Leitlinie 063-002 „Prävention des plötzlichen Säuglingstods“ (Stand 2022), auf die sich die Empfehlungen beziehen

Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Fragen zum Schlaf oder zur Gesundheit Ihres Babys haben, sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Kinderarztpraxis.