Die Oma möchte dem Baby ein bisschen Honig auf den Schnuller geben, oder Sie entdecken „Honig“ auf der Zutatenliste eines Babykekses und stutzen. Baby Honig ab wann: Die Antwort ist eindeutig, und wenn Sie die Regel kennen, ist Honig ein Thema weniger. Hier lesen Sie, warum Babys im ersten Jahr keinen Honig bekommen, was mit gebackenem Honig und Fertigprodukten ist und was Sie tun, wenn Ihr Baby schon etwas gegessen hat.
Weitere Fragen rund ums Essen im ersten Jahr beantwortet unser Ratgeber Ernährung.
Kurz gesagt: Ab wann darf ein Baby Honig essen?
Erst nach dem ersten Geburtstag. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, Säuglingen unter einem Jahr keinen Honig zu geben, weil er Sporen enthalten kann, die Säuglingsbotulismus auslösen. Die Erkrankung ist in Deutschland sehr selten, aber ernst. Honig in industriell hergestellter Babynahrung ist laut BfR und BIÖG unbedenklich.
- Unter 12 Monaten: kein reiner Bienenhonig, auch nicht in Tee, Brei oder auf Schnuller und Brustwarze.
- Selbst gebacken oder erhitzt: zählt nicht als sicher, denn normale Küchenhitze tötet die Sporen nicht zuverlässig.
- Industrielle Babybreie und Babykekse mit Honig: unbedenklich, weil sie bei der Herstellung ausreichend erhitzt werden.
- Ab dem ersten Geburtstag: Honig ist dann kein Botulismus-Thema mehr, sollte aber wie Zucker sparsam bleiben.
Warum kein Honig für Babys?
Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei älteren Kindern und Erwachsenen hält eine stabile Darmflora sie vermutlich in Schach. Im Darm eines Säuglings können die Sporen dagegen auskeimen und ein Gift bilden, das Nerven und Muskeln lähmt. Betroffen ist laut BfR das erste Lebensjahr, besonders die ersten sechs Monate.
Wichtig zur Einordnung: Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass in vielen Fällen von Säuglingsbotulismus gar kein Honig im Spiel war. Die Sporen kommen auch in Staub und Erde vor. Honig ist aber eine bekannte Quelle, die sich leicht vermeiden lässt.
Honig im ersten Jahr: Ja oder nein? Die Tabelle
Hier widersprechen sich viele Ratgeber, vor allem bei gebackenem Honig. Die Tabelle folgt den Angaben von BfR, BIÖG und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ):
| Situation | Unter 12 Monaten | Warum |
|---|---|---|
| Honig pur, im Brei, im Joghurt | nein | mögliche Sporen |
| Honig zum Süßen von Tee oder Wasser | nein | BfR: Getränke nicht mit Honig nachsüßen |
| Honig auf Schnuller, Sauger oder Brustwarze | nein | BfR, Stiftung Kindergesundheit |
| Honig erhitzt, selbst gebackener Kuchen oder Honigbrot | nein | Sporen sterben erst über 100 °C; der BVKJ nennt mindestens 121 °C unter Druck, was in der Küche nicht erreicht wird |
| Gekauftes Brötchen oder Brot mit Honig in der Zutatenliste | lieber nicht | Backwaren für Erwachsene sind keine Säuglingsnahrung; die Ausnahme gilt nur für industrielle Babynahrung |
| Industrieller Babybrei oder Babykeks mit Honig | ja | BfR und BIÖG: bei der Herstellung ausreichend erhitzt |
| Ahornsirup als Ersatz | nein | BVKJ: keine Alternative im ersten Lebensjahr |
Unabhängig von Honig empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben, Beikost nicht zu salzen und nicht stark zu süßen. Wie Sie Brei ohne Zucker zubereiten, zeigt unser Vergleich Babybrei selber machen oder Gläschen.
Baby hat Honig gegessen: Was tun?
Atmen Sie durch. Säuglingsbotulismus ist in Deutschland sehr selten, und nicht jeder Honig enthält Sporen. So gehen Sie vor:
- Notieren Sie, wann und wie viel Honig Ihr Baby bekommen hat.
- Beobachten Sie Ihr Baby in den nächsten Wochen. Das RKI nennt eine Inkubationszeit von ungefähr 10 Tagen.
- Achten Sie besonders auf Stuhlgang und Trinken. Verstopfung und Trinkschwäche sind oft die ersten Zeichen.
- Rufen Sie die Praxis an, wenn Sie unsicher sind, auch wenn Ihr Baby gesund wirkt. Erwähnen Sie den Honig.
- Bei Schwäche, Schluck- oder Atemproblemen sofort die 112 wählen.
Anzeichen von Säuglingsbotulismus
RKI, BVKJ und die Stiftung Kindergesundheit nennen diese Zeichen. Sie entwickeln sich meist schleichend:
- Verstopfung, oft als erstes Zeichen (mehr dazu bei Baby Verstopfung)
- Trinkschwäche, schwaches Saugen, Schluckprobleme
- schwaches oder verändertes Schreien
- hängende Augenlider, wenig Mimik
- Ihr Baby kann den Kopf kaum halten, wirkt schlaff
- Röcheln oder Atemprobleme
Wann zum Kinderarzt?
- Ihr Baby unter 12 Monaten hat Honig bekommen und Sie möchten das Vorgehen absprechen.
- Ihr Baby hat neu Verstopfung und trinkt schlechter als sonst.
- Außerhalb der Sprechzeiten in Deutschland: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
- Sofort Notruf 112: Ihr Baby wirkt schlaff, kann kaum schlucken oder atmet schwer.
Allgemeine Warnzeichen bei Babys finden Sie unter Baby: wann zum Arzt?
Häufige Fragen
Warum kein Honig für Babys, aber für Kleinkinder schon?
Nach dem ersten Lebensjahr ist die Darmflora so weit entwickelt, dass sie die Sporen vermutlich am Auskeimen hindert. Deshalb bezieht sich die Warnung von BfR und BIÖG nur auf das erste Lebensjahr.
Ist erhitzter Honig für Babys sicher?
Nein. Die Sporen sind sehr hitzestabil und werden laut BfR erst über 100 °C abgetötet. Der BVKJ nennt mindestens 121 °C unter Druck, wie bei der industriellen Herstellung. Ein Honigkuchen aus dem eigenen Ofen zählt deshalb nicht als sicher.
Darf mein Baby Honigmelone essen?
Ja. Die Honigmelone hat mit Bienenhonig nichts zu tun, sie heißt nur so. Reife Melone eignet sich als weiches Obst für die Beikost; welche Lebensmittel wann passen, zeigt unser Beikostplan.
Darf ich Honig essen, wenn ich stille?
Die deutschen Empfehlungen beziehen sich auf Honig, den Ihr Baby selbst bekommt. Die amerikanische Kinderärztevereinigung AAP schreibt ausdrücklich, dass stillende Eltern Honig essen dürfen. Achten Sie nur darauf, dass kein Honig an die Brustwarze gelangt.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Schutz vor Botulismus durch Lebensmittel, Hinweise für Verbraucher
- BfR: Selten, aber vermeidbar, Fragen und Antworten zum Botulismus
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Botulismus
- BIÖG, kindergesundheit-info.de: Empfehlungen zur Säuglingsernährung
- BVKJ, kinderaerzte-im-netz.de: Kein Honig für Babys; Botulismusgefahr: Kein Honig für Kinder unter 12 Monaten
- Stiftung Kindergesundheit: Newsletter 04/2024
- Netzwerk Gesund ins Leben: Abfolge und Auswahl der Beikost
- American Academy of Pediatrics, HealthyChildren.org: Botulism (Stillen und Honig)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Baby machen, wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt, im Notfall an die 112.
