Scharlach beim Baby: Symptome, Verlauf und wann Sie zum Kinderarzt gehen

In der Kita hängt ein Zettel „Scharlach in der Gruppe“, und Ihr Baby hat Fieber, trinkt schlecht und weint beim Schlucken. Sofort stellt sich die Frage: Hat es sich angesteckt? Scharlach beim Baby ist deutlich seltener als bei Kindergarten- und Schulkindern, und Babys zeigen oft nicht das typische Bild. Hier lesen Sie, woran Sie Scharlach und eine Streptokokken-Angina erkennen, wie der Verlauf Tag für Tag aussieht, was die Behandlung bringt und wann Ihr Kind wieder in die Kita darf.

Kurz gesagt: Scharlach Baby

Scharlach wird durch Bakterien, sogenannte A-Streptokokken, ausgelöst. Am häufigsten erkranken Kinder zwischen 6 und 12 Jahren; Babys sind in den ersten Monaten durch Antikörper der Mutter meist recht gut geschützt. Typisch sind plötzliches Fieber, Halsschmerzen, eine Himbeerzunge und ein feiner Ausschlag. Bei Verdacht gehört Ihr Kind in die Kinderarztpraxis.

  • Erreger: A-Streptokokken; sie verursachen auch eine eitrige Mandelentzündung ohne Ausschlag.
  • Bei Babys oft unspezifisch: Fieber, Quengeln, schlechtes Trinken, Weinen beim Schlucken.
  • Halsschmerzen bei Kindern unter 3 Jahren haben meist andere Ursachen, vor allem Viren.
  • Behandlung: Antibiotikum, wenn die Ärztin Scharlach feststellt; etwa 24 Stunden nach Beginn ist Ihr Kind nicht mehr ansteckend.
  • Mehrfach möglich: Man kann mehr als einmal an Scharlach erkranken.

Scharlach beim Baby: die Symptome

Scharlach beginnt meist plötzlich. Bei älteren Kindern stehen Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber im Vordergrund, oft mit Bauchschmerzen, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Ein Baby kann Ihnen nicht sagen, dass sein Hals wehtut. Achten Sie deshalb auf diese Zeichen:

  • Fieber, das plötzlich kommt
  • Ihr Baby trinkt schlecht, weint beim Schlucken oder verweigert Brust und Flasche
  • es ist ungewöhnlich quengelig oder schlapp
  • geschwollene, druckempfindliche Lymphknoten am Hals
  • gerötete Wangen bei auffallend blassem Bereich um Mund und Kinn
  • ein feiner, samtartiger Ausschlag, der sich wie Schmirgelpapier anfühlt und nicht juckt

Scharlach-Verlauf Tag für Tag

Die Tabelle zeigt den typischen Verlauf. Nicht jedes Kind hat alle Zeichen; bei wiederholter Erkrankung kann der Ausschlag sogar ganz fehlen.

ZeitpunktWas passiertGut zu wissen
1 bis 3 Tage nach der AnsteckungKrankheitsbeginn, meist plötzlich mit Fieber und HalsschmerzenInkubationszeit laut RKI 1 bis 3 Tage, selten länger
Tag 1 bis 2Rachen und Mandeln stark gerötet, Zunge zuerst weiß belegtjetzt am besten schon in der Praxis vorstellen
Tag 2 bis 4feinfleckiger, leicht erhabener Ausschlag, oft zuerst in der Leiste, dann am Körper; Mund-Kinn-Dreieck bleibt freider Ausschlag verblasst unter Druck kurz und juckt nicht
Tag 3 bis 4der Zungenbelag löst sich, die Zunge wird „himbeerrot“die typische Himbeerzunge
24 Stunden nach Antibiotika-BeginnIhr Kind ist nicht mehr ansteckend, das Fieber geht meist schnell zurückdas Antibiotikum trotzdem so lange geben wie verordnet
nach 1 bis 3 Wochendie Haut schält sich, vor allem an Handflächen und Fußsohlenharmlos, Teil der Heilung

Scharlach oder Virusinfekt?

Die meisten Halsentzündungen bei Babys und Kleinkindern sind Virusinfekte. Schnupfen, Husten, Heiserkeit oder gerötete Augen sprechen eher für ein Virus. Plötzliches Fieber ohne Husten, stark gerötete Mandeln, geschwollene Halslymphknoten, Himbeerzunge und der samtartige Ausschlag sprechen eher für Streptokokken, besonders wenn Geschwister oder Kita-Kinder Scharlach haben. Bläschen im Mund und an Händen und Füßen deuten dagegen auf die Hand-Mund-Fuß-Krankheit hin.

Warum bei Babys oft kein Abstrich gemacht wird

Viele Eltern wundern sich, wenn die Praxis bei ihrem Baby keinen Streptokokken-Schnelltest macht. Das hat einen Grund: Laut Robert Koch-Institut wird ein Erregernachweis bei Kindern unter 3 Jahren in der Regel nicht empfohlen, weil Halsentzündungen in diesem Alter meist andere Ursachen haben und Kleinkinder Streptokokken auch tragen können, ohne krank zu sein. Ab 3 Jahren kann ein Schnelltest bei Halsschmerzen, Fieber und stark geschwollenen Halslymphknoten sinnvoll sein. Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt entscheidet nach dem Gesamtbild.

Behandlung und Pflege zu Hause

  • Antibiotikum: Stellt die Ärztin Scharlach fest, verordnet sie meist Penicillin oder ein verwandtes Mittel, bei Kindern oft als Saft. Geben Sie es so lange, wie verordnet, auch wenn Ihr Kind schnell wieder munter ist.
  • Viel trinken: Legen Sie Ihr Baby häufiger an oder bieten Sie öfter die Flasche an. Ältere Babys mögen kühle Getränke und weiche Speisen.
  • Fieber und Schmerzen: Fiebersenkende Mittel nur in der Dosis nach Körpergewicht und nach Rücksprache mit der Praxis; Mittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) sind für Kinder tabu. Mehr in Fieber beim Baby.
  • Ruhe: Ihr Baby darf viel schlafen und kuscheln. Tipps für unruhige Nächte stehen in Baby erkältet: besser schlafen.
  • Hygiene: Hände waschen, keine Löffel, Becher oder Schnuller teilen.

Streptokokken nach der Geburt: Das ist etwas anderes

Wenn von Streptokokken bei Neugeborenen die Rede ist, sind meist B-Streptokokken gemeint. Das ist ein anderer Keim als bei Scharlach; er kann bei der Geburt übertragen werden und betrifft vor allem die ersten Lebenswochen. Hat ein Neugeborenes Fieber, trinkt es schlecht oder wirkt es schlapp, gilt immer: noch am selben Tag ärztlich abklären lassen, bei Atemproblemen oder wenn es kaum weckbar ist sofort 112.

Wann zum Kinderarzt?

  • Bei Verdacht auf Scharlach immer in die Praxis, damit eine Behandlung und mögliche Folgen an Ohren, Gelenken, Herz oder Nieren im Blick bleiben.
  • Babys unter 3 Monaten mit 38,0 °C oder mehr: immer noch am selben Tag, außerhalb der Sprechzeiten in Deutschland über den Bereitschaftsdienst 116 117.
  • Noch heute: Ihr Baby trinkt kaum noch, hat deutlich weniger nasse Windeln (siehe Baby dehydriert), das Fieber geht 48 Stunden nach Antibiotika-Beginn nicht zurück, oder Ohrenschmerzen und starke Schwellungen am Hals kommen dazu.
  • Sofort 112: schwere Atemnot, Ihr Baby kann gar nicht mehr schlucken und speichelt stark, es ist kaum weckbar, oder es hat Flecken, die unter einem Glas nicht verblassen.
  • Mehr zur Einordnung in Baby: wann zum Arzt?

Häufige Fragen

Wann darf mein Kind mit Scharlach wieder in die Kita?

Mit Antibiotikum besteht etwa 24 Stunden nach Behandlungsbeginn keine Ansteckungsgefahr mehr; zurück in die Kita darf Ihr Kind frühestens dann und nur, wenn es wieder fit ist. Ohne Antibiotikum erst, wenn alle Krankheitszeichen abgeklungen sind. In Deutschland müssen Sie die Kita nach dem Infektionsschutzgesetz über die Erkrankung informieren.

Kann ein Baby mit 6 Monaten Scharlach bekommen?

Ja, das ist möglich, aber selten. Babys sind in den ersten Monaten meist durch Antikörper der Mutter geschützt, und der Erkrankungsgipfel liegt im Schulalter. Hat Ihr Baby Fieber und ist ein Geschwisterkind an Scharlach erkrankt, sagen Sie das in der Praxis.

Wie ansteckend ist Scharlach für Geschwister und Eltern?

Scharlach wird über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen sowie über gemeinsam benutzte Gegenstände übertragen. Ohne Behandlung können Erkrankte länger ansteckend sein. Gesunde Geschwister müssen nicht vorsorglich untersucht werden; zeigen sie Krankheitszeichen, rufen Sie die Praxis an.

Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?

Nein, eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Weil der Schutz nach einer Erkrankung nur gegen einen Teil der Erregervarianten wirkt, kann Ihr Kind auch mehrmals Scharlach bekommen.

Weitere Ratgeber finden Sie im Ratgeber Gesundheit und Sicherheit. Wie Sie andere Ausschläge einordnen, lesen Sie in Ausschlag beim Baby.

Quellen

  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Streptococcus-pyogenes-Infektionen (Häufigkeit, Inkubationszeit, Diagnostik unter 3 Jahren, Therapie, Wiederzulassung, Mehrfacherkrankung)
  • kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Scharlach (Symptome, Himbeerzunge, Ausschlag, Ansteckung, Kita)
  • Infektionsschutzgesetz § 34: Mitteilungspflicht gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen
  • kindergesundheit-info.de (BIÖG): Fieber bei Babys und Kindern

Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn Ihr Baby Fieber hat oder Sie an Scharlach denken, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.