Eben hat Ihr Baby noch jeden angestrahlt, und jetzt weint es, sobald die Nachbarin „Hallo“ sagt oder Oma die Arme ausstreckt. Das kann unangenehm sein und auch ein bisschen wehtun. Doch Fremdeln beim Baby ist ein gutes Zeichen: Ihr Kind weiß jetzt genau, wer zu ihm gehört. Hier lesen Sie, ab wann und wie lange Babys fremdeln, warum das so ist und wie Sie Begegnungen mit neuen Menschen für alle leichter machen.
Kurz gesagt: Fremdeln beim Baby
- Viele Babys beginnen zwischen 6 und 8 Monaten zu fremdeln, manche schon früher.
- Fremdeln ist ein normaler Entwicklungsschritt und hat nichts mit Verwöhnen zu tun.
- Wie stark und wie lange, ist sehr verschieden. Bei vielen Kindern lässt es bis etwa zum dritten Geburtstag nach.
- Was hilft: Angst ernst nehmen, Nähe geben, Ihrem Kind Zeit lassen und Kontakt nie erzwingen.
Fremdeln Baby: ab wann und wie lange?
Zwischen sechs und acht Monaten, manchmal auch früher, beginnen viele Babys laut kindergesundheit-info.de zu fremdeln. Bei manchen Kindern ist die Phase nach einigen Monaten vorbei. Bei anderen ist sie im zweiten und dritten Lebensjahr am stärksten und lässt dann bis etwa zum dritten Geburtstag nach. Einige Kinder fremdeln kaum.
In vielen englischsprachigen Ratgebern heißt es, das Fremdeln erreiche mit 9 bis 12 Monaten seinen Höhepunkt und verschwinde im zweiten Jahr. Deutsche Fachstellen beschreiben eine größere Spannbreite. Wenn Ihr Kleinkind mit zwei Jahren noch sehr scheu ist, ist das also kein Grund zur Sorge.
Warum Babys fremdeln
Mit etwa einem halben Jahr können Babys Gesichter mit ihren typischen Merkmalen erkennen. Sie unterscheiden jetzt sicher zwischen vertrauten und fremden Menschen. Gleichzeitig merken sie, dass Mama oder Papa weggehen können. Die Vorsicht gegenüber Fremden ist ein natürlicher Schutz. Wie stark ein Kind reagiert, hängt vor allem von seinem Temperament ab, aber auch von seiner Tagesform und bisherigen Erfahrungen. Mit der Berufstätigkeit der Eltern hat das Fremdeln laut kindergesundheit-info.de nichts zu tun.
So zeigt sich Fremdeln
- Weinen oder plötzliches Erstarren, wenn eine fremde Person näher kommt
- Festklammern an Ihnen, Gesicht an Ihrer Schulter verstecken
- Ernstes, prüfendes Anstarren der fremden Person
- Manchmal auch bei Verwandten, die Ihr Kind selten sieht, oder bei einer neuen Frisur oder Brille
Der 4-Schritte-Plan für Begegnungen mit Fremden
Ob Besuch der Großeltern, Babysitterin oder Kinderarztpraxis: Mit diesem Ablauf geben Sie Ihrem Kind die Zeit, die es braucht.
- Sicherer Hafen: Ihr Kind bleibt zuerst auf Ihrem Arm oder Schoß und darf aus sicherer Entfernung beobachten.
- Erst Sie, dann Ihr Kind: Bitten Sie den Besuch, zuerst mit Ihnen zu sprechen, ruhig und freundlich, ohne Ihr Kind direkt anzusehen oder anzufassen. Ihr Kind liest an Ihrer Reaktion ab, ob der Mensch in Ordnung ist.
- Brücke bauen: Ein Lieblingsspielzeug, das der Besuch anbietet oder mit dem er spielt, macht den ersten Kontakt leichter.
- Ihr Kind entscheidet: Meist nimmt es von selbst Kontakt auf, sobald es sich sicher fühlt. Erklären Sie dem Besuch das Fremdeln und bitten Sie um Abstand, wenn jemand zu schnell oder zu laut ist.
Was Sie besser lassen: Ihr Kind gegen seinen Willen auf einen fremden Arm geben, es zum Kuscheln überreden oder seine Angst weglachen. Das verstärkt die Angst meist. kindergesundheit-info.de weist außerdem darauf hin, dass Eltern das Fremdeln nicht „abtrainieren“ können. Gelassenheit hilft mehr als jede Übung.
Fremdeln und Trennungsangst
Oft zur gleichen Zeit tritt die Trennungsangst auf: Ihr Kind weint, wenn Sie den Raum verlassen. Kurze, ruhige Abschiede helfen. Sagen Sie Tschüss, sagen Sie, dass Sie wiederkommen, und gehen Sie, ohne sich wegzuschleichen. Üben Sie mit kurzen Trennungen und kommen Sie wie versprochen zurück. In dieser Phase wachen manche Babys auch nachts häufiger auf. Mehr dazu unter Schlafregression beim Baby.
Fremdeln und Kita-Eingewöhnung
Die ersten Wochen in Krippe oder Kita fallen fremdelnden Kindern oft schwer. In Deutschland gewöhnen die meisten Einrichtungen Kinder schrittweise ein, häufig nach dem Berliner oder Münchener Modell: Ein Elternteil ist anfangs dabei, und Ihr Kind baut in Ruhe eine Bindung zu einer festen Bezugserzieherin oder einem festen Bezugserzieher auf. Planen Sie dafür genügend Zeit ein, bevor Sie wieder arbeiten.
Wann zum Kinderarzt?
- Die Angst ist so stark, dass Ihr Kind über längere Zeit kaum isst, schläft oder spielt.
- Ihr Kind zeigt wenig Interesse an vertrauten Menschen, sucht kaum Blickkontakt oder reagiert nicht auf seinen Namen.
- Ihr Kind hat Fähigkeiten verloren, die es schon konnte.
- Sie haben das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Sprechen Sie das bei der nächsten U-Untersuchung an, etwa der U6 mit 10 bis 12 Monaten. Welche Schritte in welchem Alter typisch sind, zeigt die Tabelle unter Meilensteine Baby im ersten Jahr.
Häufige Fragen
Kann ein Baby schon mit 3 Monaten fremdeln?
Schon junge Babys beruhigen sich bei vertrauten Menschen oft leichter. Echtes Fremdeln beginnt bei den meisten Kindern aber zwischen 6 und 8 Monaten. Einzelne Babys zeigen es früher, das ist kein Grund zur Sorge.
Fremdeln alle Babys?
Nein. Manche Kinder fremdeln kaum, andere sehr deutlich. Wichtig ist, dass Ihr Kind seine vertrauten Menschen klar erkennt und bei ihnen Trost sucht.
Warum fremdelt mein Baby bei Oma und Opa?
Wenn Ihr Kind die Großeltern nicht oft sieht, zählen sie für es als „neu“. Regelmäßige Besuche, Videoanrufe und Geduld helfen. Bitten Sie Oma und Opa, Ihrem Kind Zeit zu lassen, statt es gleich auf den Arm zu nehmen.
Fremdelt mein Baby auch beim eigenen Papa oder der eigenen Mama?
Das kann vorkommen, vor allem wenn ein Elternteil viel unterwegs ist. Viel gemeinsame Alltagszeit, etwa Baden, Wickeln oder ins Bett bringen, stärkt die Vertrautheit wieder. Es ist keine Ablehnung, sondern nur eine Phase.
Mehr Ratgeber zur Entwicklung finden Sie unter Entwicklung. Wie sich die Sprache in dieser Zeit entwickelt, lesen Sie unter Baby erste Worte.
Quellen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Der Beginn des „Fremdelns“
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Was kann ich tun, damit mein Kind weniger fremdelt?
- kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Das Fremdeln
Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie sich Sorgen um die Entwicklung Ihres Kindes machen, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis.
