Ihr Baby wacht morgens auf, ein Auge ist gerötet, die Wimpern sind verklebt, und Sie fragen sich, ob das ansteckend ist und ob Sie zum Arzt müssen. Eine Bindehautentzündung beim Baby ist häufig und heilt meist innerhalb weniger Tage von selbst. Bei Neugeborenen und bei einigen Warnzeichen sollte Ihr Kind aber rasch ärztlich angeschaut werden. Hier lesen Sie, woran Sie die Entzündung erkennen, wie Sie sie vom verstopften Tränenkanal unterscheiden, wie Sie das Auge richtig reinigen und wann Sie in die Praxis gehen.
Kurz gesagt: Bindehautentzündung Baby
Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) zeigt sich beim Baby durch ein gerötetes, tränendes Auge und verklebte Lider, besonders morgens. Meist stecken Erkältungsviren dahinter, und die Entzündung heilt nach einigen Tagen ohne Antibiotika. Reinigen Sie das Auge mit abgekochtem, abgekühltem Wasser. Neugeborene unter 4 Wochen gehören bei roten oder eitrigen Augen noch am selben Tag zum Arzt.
- Typische Zeichen: gerötetes Augenweiß, Tränen, schleimiger Ausfluss, morgens verklebte Wimpern, geschwollene Lider.
- Häufigste Ursache: Viren bei einer Erkältung; Bakterien sind viel seltener beteiligt.
- Reinigen: mehrmals täglich mit abgekochtem Wasser oder Kochsalzlösung, für jedes Auge ein frisches Pad.
- Ansteckend: Virale und bakterielle Formen werden über Hände, Waschlappen und Handtücher weitergegeben.
- Zum Arzt: Neugeborene immer; ältere Babys, wenn es nach zwei bis drei Tagen nicht besser wird oder Warnzeichen auftreten.
Bindehautentzündung beim Baby: Symptome erkennen
Die Bindehaut ist eine durchsichtige Schleimhaut, die das Augenweiß und die Innenseite der Lider überzieht. Entzündet sie sich, schwillt sie an und rötet sich. Typisch sind laut einem Elternmerkblatt auf kinderaerzte-im-netz.de:
- gerötete, geschwollene und tränende Augen
- schleimiger Ausfluss und verklebte Augen, besonders am Morgen
- Juckreiz oder Druckgefühl: Ihr Baby reibt sich dann oft die Augen oder ist quengelig
- häufig gleichzeitig Schnupfen oder Husten, mehr dazu unter Baby erkältet: so schläft es besser
Säuglinge und Kleinkinder sind besonders häufig betroffen, weil die Abwehr an ihren Augen noch nicht ausgereift ist. Oft beginnt es an einem Auge, und das zweite folgt nach ein bis zwei Tagen.
Die Formen im Überblick
| Form | Typische Zeichen | Was meist hilft |
|---|---|---|
| Viral (häufigste Form) | wässrig-schleimig, oft mit Erkältung; beginnt häufig an einem Auge | heilt von selbst; Antibiotika wirken nicht gegen Viren |
| Bakteriell | dicker, gelblicher oder grünlicher Eiter, Wimpern morgens fest verklebt | ärztlich abklären; nur in Ausnahmefällen antibiotische Tropfen oder Salbe |
| Allergisch | Juckreiz, meist beide Augen, oft mit Niesen; bei Babys selten | Auslöser meiden, ärztlich abklären |
| Reizung | Rötung nach Zugluft, Sand, Rauch oder einem Fremdkörper | klingt meist rasch ab; nach einer Verletzung zum Arzt |
| Neugeborenes (erste 4 Wochen) | rote, geschwollene Lider oder Eiter in den ersten Lebenstagen und -wochen | noch am selben Tag ärztlich untersuchen lassen |
Der 3-Fragen-Check für zu Hause
- Ist das Augenweiß gerötet? Ja: eher Bindehautentzündung. Nein, nur Tränen und Krusten bei weißem Auge: eher ein enger Tränenkanal.
- Wie alt ist Ihr Baby? Unter 4 Wochen: heute noch in die Kinderarztpraxis, ganz gleich, was sonst zutrifft.
- Gibt es Warnzeichen? Lichtscheu, stark geschwollenes Lid, trübe Hornhaut, hohes Fieber oder ein Baby, das krank wirkt: zügig ärztlich abklären lassen.
Bindehautentzündung beim Neugeborenen: warum schnell zum Arzt?
In den ersten Lebenswochen kann eine Bindehautentzündung durch Keime entstehen, die das Baby bei der Geburt aufgenommen hat, etwa Chlamydien oder Gonokokken. Laut MSD Manual zeigt sich eine Gonokokken-Infektion meist 2 bis 5 Tage nach der Geburt, eine Chlamydien-Infektion meist 5 bis 14 Tage danach. Unbehandelt kann vor allem eine Gonokokken-Infektion die Hornhaut schädigen. Zu Hause lässt sich das nicht sicher von einem harmlosen Verlauf unterscheiden. Deshalb lassen Sie ein rotes, geschwollenes oder eitriges Auge bei einem Baby unter 4 Wochen noch am selben Tag anschauen.
Bindehautentzündung oder verstopfter Tränenkanal?
Ein tränendes, morgens verklebtes Auge haben viele Babys in den ersten Monaten, weil der Tränenkanal noch eng ist. Der wichtigste Unterschied: Beim verstopften Tränenkanal bleibt das Augenweiß weiß, bei einer Bindehautentzündung ist es gerötet. Ein enger Tränenkanal öffnet sich meist in den ersten Lebensmonaten von selbst. Wird das Auge doch rot oder schwillt die Haut am inneren Augenwinkel an, sollte Ihr Baby ärztlich angeschaut werden, weil sich dort eine Entzündung entwickeln kann.
Bindehautentzündung beim Baby: was tun?
Bei einem Baby, das älter als 4 Wochen ist, munter wirkt und gut trinkt, reicht meist sorgfältige Pflege. So reinigen Sie das Auge:
- Waschen Sie sich vorher und nachher gründlich die Hände.
- Nehmen Sie abgekochtes, auf Körpertemperatur abgekühltes Wasser oder Kochsalzlösung aus der Apotheke.
- Befeuchten Sie ein sauberes Wattepad, eine Kompresse oder einen frischen Waschlappen.
- Wischen Sie Krusten mit einer sanften Bewegung ab. Nehmen Sie für jeden Wisch und für jedes Auge ein neues Pad, damit Sie die Keime nicht verteilen.
- Wiederholen Sie das mehrmals am Tag, vor allem nach dem Aufwachen.
Verzichten Sie auf Kamille und Kräuteraufgüsse: Laut dem Elternmerkblatt auf kinderaerzte-im-netz.de können sie Allergien fördern. Augentropfen geben Sie nur, wenn Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt sie verordnet hat, und niemals Tropfen für Erwachsene.
Braucht Ihr Baby Antibiotika?
Meist nicht. Weil die meisten Bindehautentzündungen bei Kindern von Viren ausgelöst werden, heilen sie in der Regel nach einigen Tagen aus; antibiotische Tropfen sind nur in Ausnahmefällen nötig. Laut gesund.bund.de können Antibiotika eine bakterielle Bindehautentzündung etwas verkürzen, gegen Viren wirken sie nicht. Verordnet die Praxis Tropfen oder Salbe, wenden Sie sie genau nach Anweisung an und setzen sie nicht eigenmächtig ab.
Ist eine Bindehautentzündung beim Baby ansteckend?
Virale und bakterielle Formen sind ansteckend. Die Erreger gelangen laut gesund.bund.de vor allem über die Hände und gemeinsam genutzte Dinge wie Waschlappen, Handtücher oder Taschentücher weiter. Allergische Entzündungen und Reizungen sind nicht ansteckend.
- Hände waschen, nachdem Sie die Augen Ihres Babys berührt haben.
- Eigene Handtücher und Waschlappen für Ihr Baby, häufig wechseln.
- Benutzte Wattepads sofort entsorgen.
- Geschwister nicht dasselbe Handtuch benutzen lassen.
Darf Ihr Kind mit Bindehautentzündung in die Kita?
Das handhaben Einrichtungen unterschiedlich. Laut dem Elternmerkblatt von Kinder- und Jugendarztpraxen auf kinderaerzte-im-netz.de muss ein Kind mit einer unkomplizierten Bindehautentzündung nicht zu Hause bleiben, und die Rückkehr ist weder an antibiotische Tropfen noch an ein Attest gebunden. Viele Kitas haben aber eigene Regeln. Fragen Sie im Zweifel bei der Kita und in Ihrer Kinderarztpraxis nach.
Wann zum Kinderarzt?
- Noch am selben Tag: jedes rote, geschwollene oder eitrige Auge bei einem Baby unter 4 Wochen.
- Sofort: Lid oder Haut rund ums Auge sind stark geschwollen, gerötet und warm, oder das Auge tritt hervor.
- Ihr Baby ist lichtscheu, kneift das Auge zu, scheint Schmerzen zu haben, oder die Hornhaut wirkt trüb.
- Nur ein Auge ist rot, besonders ohne Schleim, oder es ging eine Verletzung voraus, etwa durch einen Zweig oder Sand.
- Hohes Fieber (siehe Baby Fieber: ab wann zum Arzt?), oder Ihr Baby wirkt krank und trinkt schlecht.
- Nach zwei bis drei Tagen keine Besserung, oder es wird schlechter.
- Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Im Notfall rufen Sie die 112.
Weitere Warnzeichen auf einen Blick finden Sie unter Baby: wann zum Arzt?.
Häufige Fragen
Hilft Muttermilch bei einer Bindehautentzündung beim Baby?
Muttermilch ins Auge zu träufeln, ist ein verbreiteter Haustipp, eine Wirkung ist aber nicht belegt, und die kinderärztlichen Empfehlungen nennen ihn nicht. Reinigen Sie das Auge lieber mit abgekochtem Wasser oder Kochsalzlösung. Bei Warnzeichen gehört Ihr Baby in die Praxis.
Welche Hausmittel sind bei einer Bindehautentzündung beim Baby sinnvoll?
Zur Reinigung eignen sich abgekochtes Wasser, Kochsalzlösung oder abgekühlter schwarzer Tee mit einem sauberen Waschlappen oder Pad. Kamille, Gräser und andere Kräuter sollten Sie nicht verwenden, weil sie Allergien fördern können.
Ist eine Bindehautentzündung beim Baby gefährlich?
Meist nicht: Die häufige virale Form heilt nach einigen Tagen und schadet dem Sehen nicht. Anders ist es bei Neugeborenen und bei Warnzeichen wie Lichtscheu, trüber Hornhaut oder stark geschwollenem Lid. Wie sich das Sehen normal entwickelt, lesen Sie unter Sehentwicklung beim Baby.
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung beim Baby?
Eine unkomplizierte Bindehautentzündung klingt meist nach einigen Tagen ab. Sieht das Auge nach zwei bis drei Tagen nicht besser aus oder wird es schlimmer, gehen Sie mit Ihrem Baby in die Kinderarztpraxis.
Weitere Ratgeber rund um Krankheiten und Sicherheit finden Sie unter Gesundheit & Sicherheit.
Quellen
- kinderaerzte-im-netz.de (BVKJ): Elternmerkblatt zur Konjunktivitis der Kinder- und Jugendarztpraxen Erlangen und Möhrendorf
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Bindehautentzündung
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Bindehautentzündung bei Neugeborenen
Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn Sie sich wegen der Augen Ihres Babys Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
