Tagsüber ging es noch, doch kaum liegt Ihr Baby im Bett, hustet es alle paar Minuten, und Sie liegen wach und horchen. Wenn Sie nach Baby Husten nachts suchen, wollen Sie meist drei Dinge wissen: Ist das normal, was können Sie jetzt sicher tun, und wann muss Ihr Baby zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt? Die kurze Antwort: Ein Erkältungshusten wird nachts oft stärker, weil im Liegen Schleim aus der Nase in den Rachen läuft. Meist reichen dann Trinken, eine freie Nase und gute Raumluft. Unten finden Sie eine Tabelle, mit der Sie den Husten einordnen, und die Warnzeichen, bei denen Sie nicht abwarten.
Dieser Ratgeber gehört zu unserem Bereich Gesundheit & Sicherheit. Wie Ihr erkältetes Baby insgesamt besser schläft, lesen Sie unter Baby erkältet schlafen. Hier geht es gezielt um den Husten in der Nacht.
Kurz gesagt: Baby Husten nachts
Husten ist ein Schutzreflex. Bei Schnupfen läuft vor allem abends und nachts Schleim aus der Nase bis in den Kehlkopf, und Ihr Baby hustet. Atmet es zwischen den Hustenstößen ruhig, trinkt es und hat es nasse Windeln, reichen meist Trinken, Kochsalztropfen und gute Raumluft. Bellender, pfeifender oder anfallsartiger Husten gehört ärztlich abgeklärt.
- Häufigste Ursache: ein einfacher Atemwegsinfekt. Laut DGKJ dauert er meist ein bis zwei Wochen.
- Was hilft: öfter stillen oder das Fläschchen anbieten, die Nase vor dem Trinken und Schlafen frei machen, das Zimmer lüften und nicht überheizen.
- Was Sie lassen: Hustensaft und Hustenstiller ohne ärztlichen Rat, Honig im ersten Lebensjahr, Balsam oder Öle mit Kampfer, Menthol oder Eukalyptus, Kissen oder Keile im Babybett.
- Schlafen: auch mit Husten flach in Rückenlage im eigenen Babybett.
- Sofort 112: Atemnot, Atempausen, bläuliche oder graue Lippen, ein Baby, das kaum wach wird.
Warum ist der Husten beim Baby nachts schlimmer?
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) beschreibt es so: Bei Schnupfen fließt vor allem abends und nachts Schleim aus der Nase bis in den Kehlkopf, und das Kind hustet als Schutzreflex. Zwischendurch ist es ohne Beschwerden und atmet ohne Geräusche. Dazu kommt: Ihr Baby liegt nachts lange am Stück, mit verstopfter Nase schläft es unruhiger, und in der Stille hören Sie jeden einzelnen Huster.
Auch nach einem Infekt kann der Husten nachts noch eine Weile bleiben. Laut DGKJ können die Bronchien danach einige Wochen überempfindlich sein und auf kalte Luft oder Tabakrauch mit Husten reagieren. Entscheidend ist deshalb nicht, wie oft Ihr Baby hustet, sondern wie es zwischendurch atmet, trinkt und wirkt.
Welcher Husten ist das? Die Tabelle für die Nacht
Hören Sie kurz genau hin, bevor Sie handeln. Die Tabelle hilft Ihnen, den Husten einzuordnen und der Praxis am Telefon die richtigen Dinge zu sagen.
| Was Sie hören und sehen | Was dahinterstecken kann | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Husten mit Schnupfen, zwischendurch ruhige Atmung, Baby trinkt | Meist Schleim aus der Nase bei einer Erkältung | Zu Hause pflegen: Nase frei machen, oft anlegen oder Fläschchen anbieten. Mehr unter Baby erkältet: was tun? |
| Trockener, kitzelnder Husten, oft am Anfang eines Infekts oder in den Wochen danach | Gereizte oder nach dem Infekt noch überempfindliche Atemwege | Rauchfreie Umgebung, Raumluft nicht zu trocken. Hält er länger als zwei Wochen ohne hustenfreie Tage an: Kinderarztpraxis |
| Feuchter, verschleimter Husten | Infekt der Bronchien, meist durch Viren. Mit Fieber und schneller Atmung kann auch eine Lungenentzündung dahinterstecken | Viel trinken lassen. Bei Fieber, schneller oder angestrengter Atmung: Kinderarztpraxis |
| Bellender Husten, Heiserkeit, ziehendes Geräusch beim Einatmen | Pseudokrupp (Entzündung von Kehlkopf und Luftröhre) | Ruhe bewahren, Baby aufrecht auf den Arm nehmen, unverzüglich ärztlichen Rat holen, bei Atemnot 112. Siehe Pseudokrupp beim Baby |
| Pfeifende Atmung, schnelles Atmen, Baby trinkt schlechter | Bei Säuglingen oft eine Bronchiolitis, häufig durch RSV | Noch am selben Tag in die Praxis, bei Einziehungen zwischen den Rippen oder Atempausen 112. Siehe Bronchiolitis beim Baby |
| Hustenattacken kurz hintereinander, danach Würgen oder Erbrechen. Bei jungen Säuglingen auch Atemaussetzer mit wenig Husten | Kann Keuchhusten sein | Ärztlich abklären lassen, bei Atemaussetzern sofort 112 |
| Husten oder Prusten beim Trinken oder direkt nach dem Stillen | Verschlucken oder zurückfließende Milch sind möglich | Pausen und Bäuerchen einplanen. Kommt es oft vor oder spuckt Ihr Baby viel, in der Praxis ansprechen. Siehe Reflux beim Baby |
| Plötzlich heftiger Husten aus dem Nichts, etwa beim Spielen oder Essen | Eingeatmeter Fremdkörper | Sofort in die Kinderarztpraxis oder Kinderklinik, bei Atemnot 112 |
Die Tabelle ersetzt keine Untersuchung. Nur Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt kann sagen, woher der Husten kommt. Sie hilft Ihnen aber, ruhig zu bleiben und gezielt zu beschreiben, was Sie beobachten.
Husten beim Baby nachts lindern: Ihr Plan für heute Nacht
- Erst hinschauen. Wie atmet Ihr Baby zwischen den Hustenstößen? Wie sind Lippen und Haut gefärbt? Lässt es sich trösten? Passt etwas zur Warnliste unten, handeln Sie sofort.
- Trinken anbieten. Legen Sie öfter an oder bieten Sie das Fläschchen häufiger an, gern in kleineren Mengen. Ausreichend Flüssigkeit hält den Schleim locker (DGKJ). Vor der Beikost braucht Ihr Baby dafür keine zusätzlichen Getränke, Muttermilch oder Säuglingsmilch reichen.
- Nase frei machen. Kochsalztropfen vor dem Trinken und vor dem Schlafen lösen den Schleim, der sonst nachts in den Rachen läuft. Wie das Schritt für Schritt geht, steht unter Baby Erkältung: was tun?
- Raumluft verbessern. Kurz lüften, nicht überheizen und nie in der Wohnung rauchen. Ob ein Gerät sinnvoll ist, lesen Sie unter Luftbefeuchter fürs Baby.
- Nach dem Anfall trösten. Halten Sie Ihr Baby nach einem Hustenanfall aufrecht auf dem Arm, bis es sich beruhigt hat. Zum Schlafen legen Sie es wieder flach auf den Rücken.
- Fieber im Blick behalten. Fiebermittel nur in der Dosis nach Gewicht und Alter und nach ärztlichem Rat, siehe Schmerzmittel fürs Baby. Ab wann Fieber in die Praxis gehört, steht unter Baby Fieber.
Was Sie bei Babyhusten lieber lassen
- Hustensaft und Hustenstiller ohne Rücksprache. Laut DGKJ gibt es für die Wirkung hustendämpfender Medikamente keine wissenschaftlichen Belege, wegen möglicher Nebenwirkungen werden sie nur noch in Ausnahmefällen gegeben. Sprechen Sie vor jedem Mittel mit der Kinderarztpraxis, auch bei frei verkäuflichen Säften.
- Honig vor dem ersten Geburtstag. Honig kann Sporen von Botulismus-Bakterien enthalten. Die Stiftung Kindergesundheit warnt, Babys vor dem ersten Geburtstag auf keinen Fall Honig zu geben, auch nicht auf Schnuller oder Sauger.
- Erkältungsbalsam, Erkältungsbad und Duftöle. Kampfer und Menthol sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Säuglinge und Kleinkinder generell nicht geeignet. Schon kleinste Mengen können zu lebensbedrohlichen Verkrampfungen des Kehlkopfs und zu Atemstillstand führen. Bei Kindern unter drei Jahren rät das BfR auch bei Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl zu besonderer Vorsicht.
- Kissen, Keile oder ein schräg gestelltes Bett. Ihr Baby schläft auch mit Husten flach in Rückenlage. Warum, lesen Sie unter Baby erkältet schlafen und Sicherer Babyschlaf.
- Zwiebelsäckchen am Bett. In den deutschen Fachquellen, die wir geprüft haben, fanden wir keinen Beleg für eine Wirkung gegen Husten. Wenn Sie es trotzdem ausprobieren: nichts ins Babybett und alles außer Reichweite.
- Antibiotika auf Verdacht. Husten bei einem einfachen Infekt hat fast immer Viren als Ursache, Antibiotika helfen dann nicht (DGKJ). Ob sie nötig sind, entscheidet die Praxis.
Keuchhusten: Warum die Impfung Ihr Baby schützt
Keuchhusten beginnt wie eine Erkältung. Typisch sind später Hustenanfälle, die bei vielen Betroffenen nachts häufiger auftreten und oft mit Würgen oder Erbrechen enden. Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen kann Keuchhusten statt typischer Anfälle zu lebensgefährlichen Atemaussetzern führen. Besonders gefährdet sind Babys unter sechs Monaten (infektionsschutz.de, RKI).
In Deutschland empfiehlt die STIKO drei Impfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten, bei Frühgeborenen vier. Schwangere sollen in jeder Schwangerschaft zu Beginn des letzten Drittels geimpft werden, damit das Baby schon vor seiner eigenen Impfung geschützt ist. Enge Kontaktpersonen ohne Keuchhusten-Impfung in den letzten zehn Jahren sollten sich möglichst spätestens vier Wochen vor der Geburt impfen lassen. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Impfpläne. Einen Überblick finden Sie unter Baby Impfungen.
Wann zum Kinderarzt?
Sofort 112 rufen (gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz), wenn:
- Ihr Baby nach Luft ringt oder Atempausen hat
- Lippen oder Haut bläulich oder grau werden
- Ihr Baby schlaff ist oder kaum wach wird
- nach plötzlichem Husten beim Spielen oder Essen Atemnot besteht
Noch heute in die Praxis, nachts in Deutschland über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, wenn:
- Ihr Baby schnell oder angestrengt atmet, die Haut zwischen den Rippen einzieht oder die Atmung pfeift
- der Husten bellt oder beim Einatmen ein ziehendes Geräusch zu hören ist
- Hustenattacken kurz hintereinander kommen und mit Würgen oder Erbrechen enden
- Ihr Baby deutlich weniger trinkt oder weniger nasse Windeln hat, siehe Baby dehydriert: die Anzeichen
- Ihr Baby jünger als 3 Monate ist und Fieber hat
In den nächsten Tagen in die Praxis, wenn:
- der Husten länger als zwei Wochen dauert und es keine hustenfreien Tage gibt (DGKJ)
- der Husten erst besser und dann wieder schlimmer wird
- Fieber und Husten über mehrere Tage anhalten
- Sie unsicher sind: Ihr Gefühl zählt
Weitere Anzeichen, die in die Praxis gehören, finden Sie unter Baby: wann zum Arzt?
Häufige Fragen
Mein Baby hat trockenen Husten nur nachts: Was steckt dahinter?
Oft ist es Schleim aus der Nase, der im Liegen in den Rachen läuft, oder ein Reizhusten nach einem Infekt. Atmet Ihr Baby zwischendurch ruhig und ist tagsüber fit, können Sie meist abwarten. Hält der nächtliche Husten über Wochen an oder kommt er immer wieder, lassen Sie ihn in der Praxis abklären.
Baby hustet nachts nach dem Stillen: Was bedeutet das?
Manche Babys verschlucken sich beim schnellen Trinken oder husten, wenn Milch zurückfließt. Pausen und ein Bäuerchen helfen oft. Passiert es bei fast jeder Mahlzeit, spuckt Ihr Baby viel oder nimmt es schlecht zu, sprechen Sie es in der Praxis an.
Baby hustet nachts mit Schleim und würgt: Was tun?
Babys würgen hochgehusteten Schleim öfter heraus oder spucken danach etwas Milch. Beruhigt sich Ihr Baby danach und atmet ruhig, ist das meist harmlos. Kommen Hustenattacken kurz hintereinander, enden sie mit Würgen oder Erbrechen oder hat Ihr Baby Atemaussetzer, lassen Sie es am selben Tag untersuchen, auch wegen Keuchhusten.
Kann Zahnen nachts Husten auslösen?
In den deutschen Fachquellen, die wir geprüft haben, fanden wir keinen Beleg dafür. Zahnen und Infekte fallen aber oft in dieselben Monate. Behandeln Sie den Husten deshalb wie jeden anderen Husten und achten Sie auf die Warnzeichen. Typische Zahnungszeichen finden Sie unter Zahnen beim Baby: Symptome.
Wie lange dauert Husten beim Baby?
Ein einfacher Atemwegsinfekt dauert laut DGKJ meist ein bis zwei Wochen. Danach kann ein Reizhusten noch einige Wochen bleiben, weil die Bronchien überempfindlich sind. Dauert der Husten länger als zwei Wochen ohne hustenfreie Tage, gehört er in die Kinderarztpraxis.
Trinkt Ihr Baby wegen des Hustens weniger? Mit unserem kostenlosen Trink- und Windelprotokoll behalten Sie nachts den Überblick. Sie finden es bei unseren kostenlosen Checklisten.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit GPP und BVKJ: Elterninformation „Mein Kind hat Husten“
- infektionsschutz.de (BIÖG): Erregersteckbrief Keuchhusten
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Keuchhusten (Pertussis) mit STIKO-Empfehlungen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ätherische Öle: duftende Wirkungen mit Einschränkungen (FAQ)
- Stiftung Kindergesundheit: Honig – für Babys manchmal eine Gefahr (Newsletter April 2024)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Baby machen, wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt, in Deutschland nachts an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 und im Notfall an die 112.
