Sie haben gefüttert, gewickelt, geschaukelt, und Ihr Baby weint trotzdem weiter. Das kann selbst die ruhigsten Eltern ratlos machen. Ein Baby beruhigen gelingt am besten in zwei Schritten: erst kurz prüfen, was ihm fehlen könnte, dann in Ruhe eine sanfte Methode nach der anderen ausprobieren. Hier finden Sie beides, dazu einen Plan für den Moment, in dem Ihnen selbst alles zu viel wird.
Kurz gesagt: So beruhigen Sie Ihr Baby
- Zuerst die Grundbedürfnisse prüfen: Hunger, volle Windel, Bauchweh, zu warm oder zu kalt, Müdigkeit, zu viele Reize.
- Körpernähe, sanfte Bewegung und Ihre ruhige Stimme beruhigen die meisten Babys.
- Eine Methode nach der anderen und jeder genug Zeit geben. Hektisches Wechseln kann ein Baby laut kindergesundheit-info.de zusätzlich überreizen.
- Schütteln Sie Ihr Baby niemals und geben Sie ihm keine Beruhigungsmittel.
- Wenn Sie nicht mehr können: Baby sicher ins Bett legen, kurz den Raum verlassen, Hilfe holen.
Der schnelle Ursachen-Check
| Wenn Ihr Baby … | dann probieren Sie zuerst … |
|---|---|
| Hungerzeichen zeigt (sucht, schmatzt, saugt an der Hand) | Stillen oder Fläschchen anbieten |
| beim Trinken unruhig wird, die Beine anzieht | Aufstoßen lassen, Bauch im Uhrzeigersinn sanft massieren, den Fliegergriff |
| gähnt, sich die Augen reibt, wegschaut | Reize weg: gedämpftes Licht, Ruhe, ab ins Bett oder in den Arm |
| nach Besuch, Ausflug oder Trubel weint | Ruhiger Raum, enger Körperkontakt, leises Summen |
| schwitzt oder sich kalt anfühlt (Nacken prüfen) | Eine Schicht Kleidung weg oder dazu |
| anders weint als sonst, sehr schrill oder sehr schwach | Ärztlich abklären, siehe unten |
Manchmal weinen Babys auch ohne erkennbaren Grund. Das ist kein Zeichen, dass Sie etwas falsch machen. Gerade in den ersten Wochen nimmt das Weinen bei vielen Babys erst zu, bevor es nach einigen Monaten wieder weniger wird.
Baby beruhigen: 10 sanfte Tipps
- Hautkontakt: Legen Sie Ihr Baby nackt (nur mit Windel) auf Ihre nackte Brust und decken Sie sich beide zu. Herzschlag und Wärme wirken auf viele Babys beruhigend.
- Sanft schaukeln: Wiegen Sie Ihr Baby ruhig auf dem Arm hin und her, gleichmäßig und langsam, nie ruckartig.
- Singen oder summen: Ein immer gleiches Lied oder leises Summen nah an Ihrem Körper. Die Melodie ist egal, die Wiederholung zählt.
- Das Händchen streicheln: Manchmal reicht es, Ihr Baby anzusehen, leise mit ihm zu sprechen und sein Händchen zu streicheln.
- Bauch und Rücken massieren: Mit warmen Händen kreisend im Uhrzeigersinn über den Bauch oder längs über den Rücken streichen.
- Der Fliegergriff: Legen Sie Ihr wach liegendes Baby bäuchlings auf Ihren Unterarm, das Köpfchen in Ihrer Armbeuge, die andere Hand stützt zwischen den Beinen. Viele Babys mit Bauchweh mögen das. Zum Schlafen kommt Ihr Baby wieder auf den Rücken.
- Saugen: Stillen, Fläschchen oder ein Schnuller stillen das Saugbedürfnis. Den Schnuller niemals in Honig oder Süßes tauchen.
- Tragen: Im Tragetuch oder in einer Tragehilfe ist Ihr Baby nah bei Ihnen, und Sie haben die Hände frei. Das Gesicht bleibt frei und gut sichtbar.
- Rausgehen: Ein ruhiger Spaziergang mit Kinderwagen oder Trage, frische Luft und gleichmäßiges Gehen helfen vielen Babys und Eltern.
- Reize herunterfahren: Licht dimmen, Fernseher und Handy aus, Besuch nach Hause schicken. Ein überreiztes Baby braucht weniger, nicht mehr.
Pucken empfehlen Kinderärzte in Deutschland nicht, auch nicht zum Beruhigen. Die Gründe lesen Sie unter Pucken abgewöhnen.
Warum eine Methode nach der anderen besser wirkt
Wenn Eltern in ihrer Not schnell hintereinander schaukeln, singen, Schnuller geben und herumtragen, wird es für das Baby oft zu viel. kindergesundheit-info.de rät, in Ruhe auszuprobieren, was Ihrem Baby und Ihnen guttut, und jeder Methode ausreichend Zeit zu lassen. Was heute nicht hilft, kann morgen wieder funktionieren. Notieren Sie sich ruhig, was bei Ihrem Baby am besten wirkt.
Was Sie nicht tun sollten
- Niemals schütteln: Schon kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen.
- Keine Beruhigungsmittel: Geben Sie Ihrem Baby nie Medikamente oder Hausmittel zur Beruhigung.
- Nicht allein schreien lassen: In den ersten Lebensmonaten kann ein Baby sich noch nicht selbst aus starker Aufregung herausholen.
- Nicht auf dem Sofa einschlafen: Beruhigt sich Ihr Baby auf Ihnen und Sie werden müde, legen Sie es auf den Rücken in sein Bett.
Wenn es Ihnen zu viel wird
- Legen Sie Ihr Baby auf den Rücken in sein Bett. Dort ist es sicher.
- Verlassen Sie für einige Minuten den Raum, atmen Sie durch, trinken Sie ein Glas Wasser.
- Schauen Sie alle paar Minuten nach Ihrem Baby.
- Rufen Sie jemanden an, der Sie ablösen kann, oder das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550, kostenlos und anonym.
Schreit Ihr Baby sehr viel und über Wochen, finden Sie in unserem Beitrag Schreibaby: was tun? einen ausführlichen Plan. Schreiambulanzen und Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie über die Suche auf elternsein.info oder beim Jugend- oder Gesundheitsamt.
Wann zum Kinderarzt?
- Ihr Baby weint ganz anders als sonst: sehr schrill, sehr schwach oder kläglich.
- Es hat Fieber, erbricht, trinkt schlecht oder hat weniger nasse Windeln. Unter drei Monaten ist Fieber ab 38 °C immer ein Grund für einen Arztbesuch.
- Es lässt sich über längere Zeit durch nichts beruhigen, oder Sie haben das Gefühl, dass es Schmerzen hat.
- Sie sind erschöpft und schaffen es kaum noch. Auch das ist ein Grund, in der Praxis anzurufen.
- Sofort die 112, wenn Ihr Baby schlecht Luft bekommt, sich blau verfärbt, einen Krampfanfall hat, eine vorgewölbte Fontanelle zeigt oder kaum zu wecken ist. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
Weitere Warnzeichen nach Dringlichkeit finden Sie unter Baby: wann zum Arzt?
Häufige Fragen
Kann ich mein Baby verwöhnen, wenn ich es immer hochnehme?
Nein. Ein junges Baby braucht Trost und Nähe, und Ihre Zuwendung gibt ihm Sicherheit. Gerade in den ersten Monaten dürfen Sie Ihr Baby so oft hochnehmen, wie es das braucht.
Wie kann ich mein Baby ohne Schnuller oder Brust beruhigen?
Probieren Sie Körperkontakt, sanftes Schaukeln, ein gesummtes Lied oder Streicheln des Händchens. Auch der Fliegergriff oder ein ruhiger Spaziergang helfen vielen Babys. Geben Sie jeder Methode ein paar Minuten, bevor Sie wechseln.
Wie beruhige ich mein Baby bei Bauchweh?
Warme Hände auf dem Bauch, eine sanfte Massage im Uhrzeigersinn, der Fliegergriff und Aufstoßen nach dem Trinken tun vielen Babys gut. Mehr Tipps finden Sie unter Baby Blähungen.
Wie beruhige ich mein Baby nach der Impfung?
Stillen oder ein Fläschchen während oder direkt nach dem Pieks, viel Körperkontakt und Ruhe helfen den meisten Babys. Fragen Sie in der Praxis, was Sie bei Fieber oder einer geröteten Einstichstelle danach tun können.
Mehr Ratgeber zu Gesundheit und Wohlbefinden finden Sie unter Gesundheit & Sicherheit.
Quellen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Das Schreien des Babys (Beruhigungsmethoden, Schütteln, Hilfe)
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Schreiprobleme
- kindergesundheit-info.de (BIÖG): Schlaftipps (nicht schreien lassen in den ersten Monaten)
- elternsein.info (NZFH): Flyer „Niemals schütteln“ und Suche nach Schreiambulanzen und Beratungsstellen
- Nummer gegen Kummer e. V.: Elterntelefon 0800 111 0 550
Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie sich Sorgen machen, weil Ihr Baby viel weint, wenden Sie sich an Ihre Kinderarztpraxis oder Ihre Hebamme.
