Rote Bäckchen, das Lätzchen nach einer Stunde durchgesabbert, alles wandert in den Mund, und die Nächte sind plötzlich wieder unruhig? Dann kommt vermutlich ein Zähnchen. Hier lesen Sie, welche Zahnen Baby Symptome typisch sind, welche Beschwerden nicht vom Zahnen kommen, was Ihrem Baby wirklich hilft und wovon deutsche Kinderärzte abraten. Dazu: wie Sie den ersten Zahn richtig putzen.
Kurz gesagt: Zahnen beim Baby
Bei den meisten Babys bricht der erste Zahn im zweiten Lebenshalbjahr durch, oft unten vorne. Typisch sind vermehrtes Sabbern, Kauen auf allem, gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, rote Wangen und Unruhe für ein paar Tage. Die Temperatur kann leicht steigen. Hohes Fieber, Durchfall oder Husten haben meist eine andere Ursache.
- Am besten helfen ein gekühlter (nicht gefrorener) Beißring, sanfte Zahnfleischmassage und viel Nähe.
- Bernsteinketten und andere Ketten um den Hals: nein, wegen Strangulations- und Erstickungsgefahr.
- Schmerzmittel nur, wenn Ihr Baby wirklich leidet, und unter 6 Monaten nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis.
- Ab dem ersten Zahn wird geputzt, mit Fluorid aus Zahnpasta oder Tablette, nicht beides.
Zahnen Baby Symptome: Was ist typisch?
| Typisch beim Zahnen | Eher nicht vom Zahnen |
|---|---|
| viel Sabbern, manchmal mit leichtem Ausschlag ums Kinn | Fieber ab 38,5 °C |
| Kauen und Beißen auf Händen und Spielzeug | Durchfall oder Erbrechen |
| gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch | Schnupfen und Husten |
| eine rote, warme Wange, Reiben am Ohr | Ausschlag am ganzen Körper |
| Quengeln und unruhiger Schlaf für einige Tage | ein Baby, das trinkunlustig und schlapp ist |
| leicht erhöhte Temperatur | Beschwerden, die über Wochen anhalten |
Die Beschwerden treten meist ein paar Tage vor und während des Durchbruchs auf und lassen dann wieder nach. Viele Babys zahnen fast unbemerkt, andere sind deutlich gequält. Beides ist normal.
Fieber, Durchfall, Schnupfen: Kommt das vom Zahnen?
Beim Zahnen kann die Körpertemperatur leicht ansteigen. Echtes Fieber ab 38,5 °C, Durchfall, Erbrechen, Schnupfen oder Husten sind dagegen keine nachgewiesenen Zahnungszeichen. Babys stecken in dieser Zeit allerdings alles in den Mund und fangen sich leichter einen Infekt ein. Schieben Sie solche Beschwerden deshalb nicht einfach auf die Zähne. Ab wann Sie mit Fieber zur Kinderarztpraxis gehen, hängt vom Alter ab. Bei Babys unter drei Monaten gilt immer: ab 38,0 °C ärztlich abklären.
Zahnen beim Baby: Was hilft wirklich?
- Gekühlter Beißring: Ein fester Beißring aus Silikon oder Naturkautschuk ohne Weichmacher, im Kühlschrank gekühlt. Bitte nicht ins Gefrierfach: Sehr kalte Ringe können das Zahnfleisch verletzen.
- Zahnfleischmassage: Massieren Sie das Zahnfleisch mit einem sauberen Finger sanft mit leichtem Druck.
- Kühles zum Kauen bei Beikost-Babys: Isst Ihr Baby schon Brei, können gekühlter Obstbrei oder Joghurt angenehm sein. Harte Stücke, die abbrechen können, nur unter Aufsicht und so, dass Ihr Baby sich nicht verschlucken kann. Welche Lebensmittel wann passen, steht im Beikostplan.
- Sabber abwischen: Tupfen Sie Kinn und Hals oft trocken und schützen Sie die Haut mit einer milden Wundschutzcreme.
- Nähe, Ablenkung und Routine: Kuscheln, Tragen, Spielen. Halten Sie den gewohnten Tagesablauf so gut es geht bei.
- Schmerzmittel bei starken Beschwerden: Paracetamol- oder Ibuprofen-Zäpfchen oder -Saft können helfen, wenn Ihr Baby gar nicht zur Ruhe kommt. Dosis nach Gewicht und Alter, laut Beipackzettel oder ärztlicher Angabe. Unter 6 Monaten fragen Sie vorher die Praxis.
Wovon Kinderärzte abraten
- Bernsteinketten und Zahnungsketten aus Holz oder Silikon um Hals oder Handgelenk: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt davor. Babys können sich strangulieren oder sich lösende Perlen verschlucken. Dass sie beim Zahnen helfen, ist nicht belegt.
- Zahngele mit betäubendem Wirkstoff: nur nach Rücksprache mit Kinderarztpraxis oder Apotheke und genau nach Packungsbeilage. Die Wirkung hält meist nur kurz an.
- Globuli und Zahnungszäpfchen ohne Wirkstoff: Ein Wirksamkeitsnachweis fehlt.
- Zucker und Dauernuckeln: süße Zwiebacke, Honig auf dem Schnuller oder ständiges Nuckeln an der Flasche schaden den neuen Zähnen, sogar wenn nur ungesüßter Tee drin ist.
- Alkohol oder Aspirin aufs Zahnfleisch: niemals.
Zahnen nachts: wenn der Schlaf leidet
Rund um einen durchbrechenden Zahn schlafen viele Babys ein paar Nächte schlechter. Trösten Sie Ihr Baby, bieten Sie ihm bei Bedarf die Brust oder das Fläschchen an und legen Sie es danach wieder in Rückenlage in sein Bett, ohne Beißring oder Kette im Bett. Hält die Unruhe länger an, kann auch ein Entwicklungsschub dahinterstecken. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Schlafregression beim Baby und beim Baby Schlafrhythmus.
Der erste Zahn ist da: so putzen Sie richtig
In Deutschland empfehlen Kinderärzte, Zahnärzte und das Netzwerk Gesund ins Leben einheitlich: Ab dem ersten Zahn wird zweimal täglich geputzt, mit einer weichen Babyzahnbürste. Für das Fluorid haben Sie zwei Wege, die Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis besprechen:
- Weg 1: Ihr Baby bekommt weiter die Tablette mit Vitamin D und Fluorid. Dann putzen Sie ohne Zahnpasta oder mit fluoridfreier Zahnpasta.
- Weg 2: Ihr Baby bekommt nur noch Vitamin D ohne Fluorid. Dann putzen Sie mit Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid, in der Menge eines Reiskorns.
- Nie beides gleichzeitig: Fluoridtablette und fluoridhaltige Zahnpasta zusammen sind zu viel.
- Die zahnärztliche Früherkennung beginnt ab dem 6. Lebensmonat und wird von den Krankenkassen bezahlt. Das gelbe Kinderuntersuchungsheft verweist dazu auf die Zahnarztpraxis.
Lesen Sie auch: Vitamin D fürs Baby: wie lange, wie viel und mit Fluorid.
Wann zum Kinderarzt?
- Fieber ab 38,5 °C, bei Babys unter 3 Monaten schon ab 38,0 °C
- Durchfall, Erbrechen oder Ihr Baby will nicht mehr trinken
- Schwellung, Blutung oder Eiter am Zahnfleisch, oder eine Blase auf dem Zahnfleisch, die Ihr Baby sehr stört
- Ihr Baby ist untröstlich und wirkt krank, nicht nur quengelig
- mit etwa 18 Monaten noch gar kein Zahn
- Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, im Notfall 112.
Häufige Fragen
Zahnen beim Baby: ab wann geht es los?
Meist im zweiten Lebenshalbjahr, oft um den sechsten Monat. Manche Babys bekommen den ersten Zahn schon mit drei oder vier Monaten, andere erst um den ersten Geburtstag. Selten wird ein Baby sogar mit einem Zahn geboren.
Wie lange dauert das Zahnen bei einem Zahn?
Die stärksten Beschwerden halten meist nur einige Tage rund um den Durchbruch an, nicht wochenlang. Bis alle 20 Milchzähne da sind, vergehen allerdings etwa zweieinhalb bis drei Jahre.
Wie sieht Zahnfleisch beim Zahnen aus?
An der Stelle, an der der Zahn kommt, ist das Zahnfleisch oft gerötet, geschwollen und etwas gewölbt. Manchmal schimmert der Zahn schon weißlich durch, kurz bevor er durchbricht.
Hat mein Baby beim Zahnen Ohrenschmerzen?
Viele Babys reiben sich beim Zahnen an Ohr oder Wange auf derselben Seite. Kommen Fieber, starkes Weinen beim Hinlegen oder Ausfluss aus dem Ohr dazu, lassen Sie eine Mittelohrentzündung in der Praxis ausschließen.
Weitere Ratgeber finden Sie unter Gesundheit & Sicherheit und Entwicklung.
Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben: Karies vorbeugen und Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention (einheitliche Empfehlungen 2021)
- Kinderaerzte-im-Netz (BVKJ): Zahnpflege im ersten Jahr
- kindergesundheit-info.de (BIOeG): Gesunde Zähne von Anfang an
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Fieber bei Kindern; Wie wird ein Kind mit Fieber behandelt?
- ÖKO-TEST: Zahnungshilfen, mit Gutachten zu Bernsteinketten
- ZWP online: Experten warnen – Finger weg von Bernsteinketten als Zahnungshilfe
Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Baby machen, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis.
